Bergsommer auf dem höchsten Gipfel Nordafrikas
Dieser Urlaub führte mich von 26. Juli bis 2. August 2008 nach Marokko, da es mich reizte, in Form einer Trekkingreise die Bergwelt des Hohen Atlas kennen zu lernen und Einblicke in das Leben der Berber zu erhalten.
Mit dabei waren Alice aus der Schweiz, Elicha aus Wien, Elisabeth & Robert aus Niederösterreich und Hildegard aus Deutschland sowie während der Trekkingtour ein marokkanisches Begleitteam.
Zu Beginn der Reise genossen wir noch das städtisch-orientalische Flair von Marrakesch, wo wir von 26. bis 28. Juli in einem Riad, einem traditionell arabischen Gästehaus, untergebracht waren.
Die Stadt selbst erlebte ich im typisch südländischen Verkehrschaos, wobei ich mich immer wieder wundere, dass in solchen Städten nicht mehr Unfälle passieren. Mopeds brausten massenhaft ganz knapp neben uns Fußgängern vorbei, in einer Fußgängerzone hätte ich mich sichtlich wohler gefühlt.
Bei einer Stadtführung am 27. Juli wurden uns u.a. die Koranschule, und ein Riad, der sich für größere Veranstaltungen mieten lässt, näher gebracht.
Weiters besichtigten wir eine spätmittelalterliche Wasch- und Toilettenanlage, eines der ältesten Bauwerke Marokkos, wie sie in ähnlicher Form auch heute noch in oder bei Moscheen benutzt werden.
Anschließend war noch viel Zeit, um die Stadt selbst näher zu erkunden. In den späten Abendstunden begann der Hauptplatz der Stadt, der Djemaa el Fna, der angeblich der berühmteste Platz Afrikas sein soll, so richtig zu leben. Jeden Abend lassen sich hier zahlreiche Schlangenbeschwörer und Wahrsager nieder und in Dutzenden von Garküchen schmoren typisch marokkanische Gerichte.
Am Morgen des 28. Juli brachte uns der Bus ins Ourikatal im Atlasgebirge. Auf der Bergstraße Richtung Tizi n' Test legten wir einen Fotostopp ein.
Wir starteten unsere Trekkingtour im Wintersportort Oukaimeden (2450 m), wo uns bereits der Koch sowie die Maultierführer und Maultiere (Mulis) erwarteten. Während unserer Tour waren wir nämlich im 5-Muli-Hotel einquartiert :-) - d.h. 5 Maultiere schleppten unsere Zelte und sonstiges Gepäck.
Nach dem Mittagspicknick (es gab Gemüse mit Sardinen und zum Dessert Obst) noch schnell ein Gruppenfoto, schon konnte die Tour losgehen.
Die folgenden Tage führte uns der Berber Zakaria durch den Hohen Atlas.
Der erste Tag im Gebirge verlief etwas chaotisch: Lisa hat scheinbar das marokkanische Essen nicht gut vertragen, schon zu Beginn der Wanderung plagte sie der Brechdurchfall. Sie konnte die geplante Tagesetappe unmöglich zu Fuß machen, es musste für sie ein Reitmaultier organisiert werden. Durch diesen Zwischenfall hatte Zakaria organisatorisch einiges zu erledigen, er schickte somit einen anderen Berber mit uns restlichen Wanderern (Alice, Elicha, Hildegard, ich) mit. Dieser neue Begleiter lief uns allerdings bald voraus, um ein Maultier aus dem Tal zu holen, wir vier Teilnehmerinnen waren also auf uns alleine gestellt, was für uns kein Problem darstellte - der Weg war eindeutig. Nach längerer Wanderung erwartete uns schließlich der Berber Said für die letzte Etappe bis zu unserem Camp.
Endlich an unserem Ziel, dem Tizi Addi (2900 m) angekommen, hatte unser Begleitteam bereits die Zelte beim Dorf Tachddirt aufgestellt und wir konnten uns erst mal im Fluss waschen und den Nachmittagstee genießen. Nach einiger Zeit trafen auch Lisa (mit weißem Turban wie eine Prinzessin auf dem Muli), Robert und Zakarias ein.
Am nächsten Morgen, den 29. Juli, ging's auch Lisa wieder besser, so wanderte die ganze Gruppe dem Fuß des Jebel Aksoual entlang nach Imlil (1850 m) und Aremd, Sidi Chemharouche. Dann stiegen wir zu unserem nächsten Camp (3100 m) auf.
Die braven Mulis waren wieder voll bepackt mit all unseren Habseligkeiten, sie nahmen uns die größte Last ab.
Neben dem Bach, wo wir von einem Stein aus unsere Beine im angenehm kühlen Wasser plantschen lassen konnten, nahmen wir unsere Mittagsjause ein.
Der Weg führte uns vorbei an einem Heiligtum, dem weißen Stein. Nur Moslems war es erlaubt, diesen von nächster Nähe zu betrachten.
Wir legten immer wieder Pausen ein, so etwa bei einer Getränkeverkaufsstelle, wo wir unseren Durst mit kühlen Getränken stillen konnten. Hier im Hochgebirge, wo es keine Elektrizität gibt, wären Kühlschränke wohl Luxus, aber es gab ja ein kreatives Getränkekühlsystem. Die Berge lieferten schließlich genügend Kühlwasser.
Nicht nur für Trekkingtouren wurden Mulis eingesetzt, nein, Maultiere sind wohl allgemein das wichtigste Transportmittel in dieser Gegend. Dieses Maultier hier wartete wohl auf den Weitermarsch...
Nach langer Wanderung kamen wir schließlich im Basiscamp an, wo wir die beiden Nächte vor und nach der Toubkal-Besteigung verbringen sollten. Wie jeden Abend musizierte unser Begleitteam vor dem Abendessen wieder mit selbstgebauten Instrumenten und Haushaltsgeräten wie Kanister, Lavour oder Zeltstange und sang fröhlich mit. Es war wirklich nett, den berberischen Klängen zu lauschen, die sich so stark von unserer mitteleuropäischen Musik unterscheiden.
Am 30. Juli war es schließlich so weit, an diesem Tag sollte ich meinen ersten 4000er besteigen. Gegen 6:00 Uhr morgens starteten wir unsere Wanderung noch in der Dunkelheit mit Stirnlampen, doch es hellte schnell auf und wir konnten die Lampen ausschalten. Der Weg führte über viele größere und kleinere Steine, es war eine leicht zu bewältigende Tour. Der Aufstieg dauerte in etwa vier Stunden. Am Gipfel des Toubkal (4168 m) war es so richtig schön, die Sonne lächelte und mit Fleecejacke war man warm genug bepackt. Wir hielten uns am Gipfel eine ganze Stunde lang auf. Zakaria belohnte uns für die Anstrengung mit Trockenfrüchten/Nüssen und Käsebrot.
Bereits am frühen Nachmittag waren wir wieder zurück an unserem Camp. Den restlichen Nachmittag hatten wir für uns selbst zur Verfügung, so hielten wir ausführlich Siesta im Esszelt.
Diesmal wurde zur abendlichen Berbermusik ausgelassen geklatscht und getanzt, schließlich gesellten sich auch die Teilnehmer der zweiwöchigen Trekkinggruppe zu uns, welche wir von unserem Riad in Marrakesch schon kannten und an diesem einen Abend im selben Camp wie wir waren.
An unserem vorletzten Abend im Gebirge aßen auch die Maultierführer mit uns und wir durften die berberische Art zu essen kennen lernen. Es gab weder Teller noch Besteck. Eine wunderbare Platte mit Hendl, Backpflaumen und Mandeln kam auf den "Tisch" (der eigentlich ein Teppich war). Unsere berberischen Begleiter zeigten uns wie's geht und so pickten wir mit unseren Broten das Essen von der Platte. Wie man mit den Hendlhaxn verfährt, wussten wir noch nicht... Hildegard und ich, in unserer mitteleuropäischen Fressgier, nahmen uns gleich einen ganzen Haxn. :-) Peinlich für uns, denn bald sahen wir, dass es üblich war, selbst vom Hendlstück auf der Platte nur kleine mundgerechte Stückerl mit dem Brot runterzupicken. Als Nachspeise gab es Orangenscheiben mit Zimt und süßes Gebäck, welches mich an die bei uns üblichen Weihnachtskekse erinnerte.
Am nächsten Tag, den 31. Juli stiegen wir zum Pass von Aguelzim (3500 m) auf. Dort hatte unser Begleitteam bereits Koch- und Esszelt aufgebaut. Kaum saßen wir zum Weiße-Bohnen-Topf zusammen, da begann es zu stürmen und donnern und das Zelt fiel uns fast auf den Kopf. Schnell wurde der Schaden mit ein paar großen Steinen behoben. Nach dem Essen hatten wir wieder Gelegenheit zu einer Siesta. Und nach dem Erwachen erfreuten wir uns wieder über fröhlichsten Sonnenschein.
Anschließend stiegen wir nach Zigzag ab, um dort bei Azib Tamsoult unsere letzte Nacht im Zelt zu verbringen. Beim Abstieg wurden wir jedoch immer wieder von kurzen Regenschauern überrascht und schließlich fielen sogar kleine Hagelkörner. Wir kamen an bellenden Hunden vorbei und nach einem langen grauen Schotterfeld waren wir an unserem Lager angelangt. Unser "5-Mulis-Hotel" war schon da und wir halfen, die Zelte aufzustellen.
Es gab einen kleinen Laden "Boutique de Mohamad", davor ein Bub, der uns ganz kleine Zicklein vom Hof daneben herbei schleppte.
Wie auf unseren bisherigen Camps, so gab's auch hier ca. 50 m entfernt einen Bach, wo man sich waschen konnte. Eine Haarwäsche war wieder mal fällig. Doch mittendrin wurde ich wieder vom Regen überrascht. Ich flüchtete in unser Zelt und wartete, bis dieser nachließ.
Bald war wieder "Teatime" angesagt, wir saßen gemütlich bei Minzetee und Keksen beisammen.
Schließlich backten zwei unserer Männer fürs Abendessen in einem Felsofen Brot, Alice packte tatkräftig mit an. Und tatsächlich schmeckte das frischgebackene Fladenbrot total lecker!
Unser letztes Frühstück im Atlasgebirge genossen wir unter freiem Himmel.
Anschließend wanderten wir zum Tizi Oussem und weiter zum Dorf Id Aissa, dabei hörten wir von der Ferne Hochzeitsmusik. Ich empfand es auch sehr interessant, hier in den Dörfern das Leben der Einheimischen zu beobachten. Vieles was bei uns schon seit Jahren durch motorisierte Geräte abgelöst wird, wird dort noch händisch gemacht.
Schließlich kamen wir im Dorf Id Aissa an, von wo wir mit einem Landrover abgeholt werden sollten. Doch vorerst gab's noch ein Mittagessen im Freien. Anschließend hielten wir Siesta unterm Feigenbaum, während der Koranleser über Lautsprecher mindestens eine Sure sang (es war Freitag).
Wir erblickten ein paar Kinder an einem Fahrrad, ohne Reifen und ohne Kette, es war also Schieben angesagt. Immer wieder fiel mir auf, dass die Menschen dort sich nicht viel leisten können...
Schließlich hieß es Abschied nehmen von den Maultierführern und vom Koch, denn unser Chauffeur für die Rückfahrt nach Marrakesch war schon da. Die Fahrt dorthin gestaltete sich anfangs landschaftlich noch sehr interessant, wir hatten eine tolle Sicht über Täler und Berge. Bei unserem Riad in Marrakesch angekommen, verabschiedeten wir uns von unserem Führer Zakaria.
Am Abend spazierte ich mit Alice und Hildegard in die Souks, um einen Sack voll Trockenfrüchte als Mitbringsel für meine Lieben zu kaufen. Anschließend gingen wir am Djemaa el Fna in das Les Prémices Restaurant essen, in welchem ich zu Beginn der Reise mit Antje und Franzi aus Deutschland schon sehr gut gespeist habe und welches ich sehr empfehlen kann..
Am nächsten Morgen wurden wir bereits um 5:00 Uhr für die Fahrt zum Flughafen Casablanca abgeholt. So wie die Hinreise, nahm auch die Rückreise über Paris wieder einen vollen Tag in Anspruch, gegen 20:00 Uhr war ich wieder in meiner Wohnung in Wien.
Schade, dass die Woche so schnell vorbei war, die Reise hat mir nämlich supergut gefallen. :-(
Sonstige Infos zu/Eindrücke aus meiner Reise:
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Gebucht habe ich über Weltweitwandern, ein Reisebüro, welches sich faires Reisen zum Ziel setzt, sich beispielsweise für Brunnenprojekte in armen Gebieten engagiert und einen bestimmten Betrag für die Flüge durch Zahlungen an Atmosfair kompensiert. Weltweitwandern kann ich sehr empfehlen!
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Mit Wander- und Maultierführern sowie dem Koch war ich sehr zufrieden. Alle bemühten sich sehr, unsere Reise wunderschön zu gestalten, dies ist ihnen auch gelungen. Sie wussten auch mit schwierigen Situationen (z.B. unterschiedliche Belastbarkeit der TeilnehmerInnen oder plötzliche Vorfälle, wo sofortiges Handeln notwendig war - z.B. als ich aus Unachtsamkeit fast einen großflächigem Brand ausgelöst hätte...) ruhig und kompetent umzugehen.
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Dies war meine erste Trekkingreise, diese hat mich so richtig auf den Geschmack gebracht, weitere Trekkingurlaube mit Begleittieren zu machen. Das gesamte Wochengepäck die ganze Zeit über mitzuschleppen wäre mir zu schwer, doch wenn die Maultiere einen Großteil der Last abnehmen, dann verwandelt sich eine anstrengende Trekkingtour in eine leichte Wanderreise. :-)
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Unterhalten haben wir uns während unserer Tour (je nachdem mit wem) auf Deutsch, Englisch oder Französisch. Dabei musste ich feststellen, dass meine Französischkenntnisse leider schon sehr eingerostet waren. :-(
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Was mich überrascht hat, ist der Wasserreichtum von Marokko. Ich hätte mir ein eher karges Land erwartet. Tatsächlich war auf unseren Wanderungen der Fluss nie weit weg, es gab Wasserfälle und durchaus auch größere von sattgrünen Bäumen bewachsene Stellen - natürlich nicht zu vergleichen mit dem Grün in meiner steirischen Heimat, aber doch viel grüner als so manch anderes südländisches Gebiet.
Seite zuletzt aktualisiert am 12.12.2008